Die Ozeanschwimmerin
Roman
Charlotte Tarnowski GoldmannAls Sophie ihren Mann und ihren Sohn bei einem Bootsunglück verliert, scheint auch ihr Lebensmut zu sterben. Nur im Wasser spürt die leidenschaftliche Schwimmerin, dass ihr Herz noch schlägt. Und so beschließt sie, die gewaltigste Herausforderung anzunehmen, der Schwimmer sich stellen können: Im Rahmen der Ocean’s Seven Challenge will sie innerhalb eines Jahres sieben Meeresstraßen durchschwimmen. Mit nichts als einem Badeanzug bekleidet, krault sie Stunde um Stunde durch die Weltmeere, vom Nordkanal bis zur neuseeländischen Cook Strait. Sophies Reise wird zu einem unerbittlichen Kampf gegen ihre inneren Dämonen und die harte Realität auf hoher See. Eiskaltes Wasser, meterhohe Wellen und giftige Quallen bringen sie immer wieder an ihre Grenzen. Doch Sophie schwimmt und schwimmt, angetrieben von Emotionen, die sich im Laufe der Zeit wandeln: Schmerz, Zorn und schließlich ein Funken Hoffnung …
Auf jeder Seite dieses fesselnden Romans spürt man die Kraft des Ozeans und die Emotionen, die Sophie durchlebt. »Die Ozeanschwimmerin« ist wie ein Sprung ins kalte Wasser: Man taucht ganz tief ein, wird unweigerlich von der Strömung mitgerissen, kommt zwischendurch kurz zu Atem – nur um im nächsten Moment erneut den Boden unter den Füßen zu verlieren. Ein Roman, der lange nachhallt, sprachgewaltig und zutiefst bewegend.
Über die Autorin:
Die Magie der Ozeane hat Charlotte Tarnowski schon früh in ihren Bann gezogen. So ist es kein Wunder, dass es auch in ihren Geschichten und Romanen immer wieder ums Meer geht. Sie arbeitet als freiberufliche Journalistin und Autorin und lebt in Frankfurt am Main.
Interview mit Charlotte Tarnowski:
Am 13. Mai 2026 erscheint dein Roman »Die Ozeanschwimmerin« bei Goldmann. Wer ist die Protagonistin, die dem Buch seinen Titel gibt?
Meine Protagonistin heißt Sophie Charteris, Mitte 40, erfolgreiche Projektmanagerin in einer internationalen Werbeagentur in Edinburgh, verheiratet, Mutter eines Teenager-Sohns. Am 14. Geburtstag des Sohns sterben Vater, Sohn und der Familienhund während eines Gewitters auf dem Loch Lomond. Die Geschichte startet genau ein Jahr später, also am ersten Todestag ihrer Familie, als sich Sophie der Durchquerung des Nordkanals stellt – der ersten Etappe ihrer „Ocean’s Seven Challenge“.
Im Roman versucht sich Sophie an der sogenannten „Ocean’s Seven Challenge“. Was ist das für eine Herausforderung und wie hast du das als Thema für deinen Roman gefunden?
Die „Ocean’s Seven Challenge“ kann man als das Schwimm-Äquivalent der „Seven Summits Challenge“ für Extrembergsteiger bezeichnen. Ziel dieser Herausforderung ist, sieben Meerengen zu durchqueren. Davon ist der Ärmelkanal sicher die bekannteste Strecke. Davon gehört habe ich 2020 oder 2021 in einem Podcast, in dem der deutsche Extremschwimmer André Wiersig davon berichtet hat. Er war der erste Deutsche, der diese Challenge gemeistert hat. Ich weiß nicht warum, denn ich persönlich bin keine große Schwimmerin, aber mich hat es sofort elektrisiert. Mir war sehr schnell klar, dass ich diese Challenge gerne in einem Roman verarbeiten würde, aber mir fehlte lange der passende Aufhänger.
Im Roman stellen sich alle Charaktere immer wieder die Frage, warum sich Sophie den Torturen solcher Kanaldurchquerungen aussetzt. Was fasziniert dich an dieser Extremsport-Leistung?
Diese Frage stelle ich mir noch heute. Ich habe keine befriedigende Antwort darauf gefunden – nur leichte Annäherungen. André Wiersig konnte mir die Frage nach dem Warum nicht beantworten, genauso wenig wie andere Extremschwimmerinnen und -schwimmer, die von ihren Erlebnissen in Reportagen oder Blogs berichten, die ich zur Recherche gelesen habe.
Ich persönlich kann es überhaupt nicht nachvollziehen, was einen Menschen dazu treibt, solche irrsinnigen Dinge zu tun, aber vermutlich liegt es in der Natur einiger Individuen. Ich glaube, es war Reinhold Messner, der mal auf die Frage, warum er denn die höchsten Berge erklimmen will, geantwortet hat: „Weil sie da sind.“ Vielleicht ist es so banal?
Ich bin jedoch zutiefst davon überzeugt, dass es um mehr als nur den egozentrischen Beweis geht, dass „man es schaffen kann“. Vermutlich haben alle Extremsportler ihre Gründe – auch wenn sie sie womöglich selbst nicht benennen können.
Letztlich war es die Frage nach dem Warum, die mich zu diesem Roman getrieben hat – auch wenn ich in Sophies Fall ebenfalls keine klare Antwort gefunden habe.
Es geht nicht nur um den Sport, sondern auch um die Trauerarbeit/-erfahrung von Sophie. Wie bringst du diese beiden Themen zusammen?
Schwimmen und Trauern sind im Grunde ja nur die Aufhänger des Romans – im Wesentlichen geht es schlicht ums Leben. Um die zahllosen schönen, schmerzhaften, quälenden, berauschenden Dinge, die ein Menschenleben für jeden von uns bereithält. Das Schwimmen ist im Roman die Handlung im Außen, die Trauer ist die Geschichte im Inneren. Vermutlich macht jeder einzelne von uns im Laufe des Lebens ähnliche Erfahrungen, wenn auch hoffentlich nicht so dramatisch und plakativ auf die Spitze getrieben wie in „Die Ozeanschwimmerin“.
Ich finde übrigens den scheinbaren Kontrast zwischen der athletischen Herausforderung und der Trauerarbeit gar nicht so groß und auch nicht so gegensätzlich. Ganz im Gegenteil, es sind Bilder oder Motive, körperliche und seelische Extremsituationen, die für mich sehr gut zusammenpassen.
Im Laufe von Sophies Abendteuer entfalten sich auch in den Leben Ihrer Begleiter:innen unerwartete Entwicklungen. Welcher Charakter liegt dir neben Sophie am meisten am Herzen?
Die Frage nach dem Lieblingskind … Fies. Am leichtesten ist mir Thomas gefallen, Raffael und Iona fand ich aus unterschiedlichen Gründen beide sehr herausfordernd. Die Entwicklungen sind bei allen dreien erstaunlich. Sie liegen mir also wirklich gleichermaßen am Herzen. Wenn die Frage jedoch lauten würde „Mit welcher Nebenfigur würdest du gerne etwas trinken gehen?“, dann lautet meine Antwort eindeutig: mit Iona! Aber erst mit der Iona am Ende der Geschichte.
Du schreibst auch unter anderen Namen verschiedene Bücher – dürfen wir uns schon auf Neues von Charlotte Tarnowski freuen?
Na klar! Das wird auch eine sehr aufregende Geschichte. Ich will nicht zu viel verraten, aber ein herausforderndes Mutter-Tochter-Verhältnis, Wale und die Färöer Inseln könnten eine Rolle spielen.
Ansonsten lohnt sich immer ein Besuch auf meiner Webseite. Unter autorinnen-wg.de gibt’s reichlich Infos zu mir, meinen Büchern und meinen zahlreichen Pseudonymen.
13. Mai 2026
Die Ozeanschwimmerin von Charlotte Tarnowski